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Vor über 1700 Jahren versank er in den Fluten des Rheins: der „Barbarenschatz“ aus Neupotz bei Speyer. Mit über 1000 Objekten aus Silber, Bronze, Messing, Zinn und Eisen und einem Gewicht von mehr als 700 kg ist er der größte römerzeitliche Metallfund Europas.
In einem internationalen Großprojekt präsentiert das Rheinische LandesMuseum Bonn gemeinsam mit Museen in Deutschland, Frankreich und Luxemburg diesen einzigartigen Schatzfund der Öffentlichkeit.
Der Fund stammt aus einer Zeit, als sich das Römische Reich in einer schweren Krise befand: Germanen bedrohten die Reichsgrenze. Von Habgier und Not getrieben überwanden sie in der 2. Hälfte des 3. Jahrhunderts den Limes und drangen in römisches Gebiet ein. Gutshöfe, Siedlungen und sogar Heiligtümer fielen den Plünderern zum Opfer. Auf ihren Beutezügen stießen die Eindringlinge tief nach Südgallien und sogar bis zu den Pyrenäen vor. Vermutlich versuchte eine auf der Lauer liegende römische Flotte, die mit reicher Beute beladenen Eindringlinge auf ihrem Heimweg beim Überqueren des Rheins abzufangen. Da-bei versank ein Teil der Beute im Fluss.
Der „Barbarenschatz“ besteht aus Metallobjekten ganz unterschiedlichen Charakters und ermöglicht einen einmaligen Einblick in die Lebenswelt der Menschen des 3. Jahrhunderts. Kunstvoll geschmücktes Tafel- und Küchengeschirr aus Bronze und Silber belegen die gehobene Esskultur in den römischen Provinzen. Die kunstfertige Ausführung ist ein Zeugnis der außerordentlichen Qualität römischer Handwerkstechnik. Dies zeigen auch die zahlreichen Werkzeuge des Schatzes aus Landwirtschaft, Holz- und Metallbearbeitung, Wagen- und Schiffsbau bis hin zur Schließ- und Sicherheitstechnik. Schmuck, Spiegel und Badeschalen gewähren darüber hinaus Einblick in die private Lebenswelt vor 1700 Jahren.
Außer dem Schatzfund von Neupotz werden in Bonn zahlreiche weitere spektakuläre Fundstücke gezeigt, etwa der Augsburger Siegesaltar, eines der wenigen erhaltenen Steindenkmäler und Schriftzeugnisse zur Geschichte der Germaneneinfälle. Das Grab von Leuna und der Schatzfund von Großbodungen (Sachsen-Anhalt) mit ihren kostbaren römischen Objekten belegen, dass den Germanen die Rheinüberquerung mit ihrer Beute auch manches Mal gelang.
Ergänzend präsentiert das Rheinische LandesMuseum ausgewählte Funde aus dem Rhein-Mosel-Gebiet, die die Auswirkungen der Germaneneinfälle auch in unserer Region deutlich machen. Einen Höhepunkt bilden hierbei die einzigartigen Funde aus dem römischen Kastell Niederbieber bei Neuwied, dessen Zerstörung um 260 der Forschung immer noch Rätsel aufgibt.
Der Barbarenschatzfilm
Tauchen Sie mit uns ein in die Tiefe des Rheins und entdecken Sie den Schatz der Barbaren aus einer ganz neuen Perspektive. Der Film wurde am Originalfundort des Schatzes gedreht und läuft zu jeder vollen Stunde.
Mitmachbereich
Ein großer Bereich für Kinder und Erwachsene bietet die Möglichkeit, die Welt des 3. Jahr-hunderts durch zahlreiche Mitmach-Aktionen besser kennen zu lernen. Er kann während der Öffnungszeiten ganz individuell besucht werden, aber auch in Schulklassenführungen oder Kindergeburtstage einbezogen werden. Anmeldung: info@kulturinfo-Rheinland oder telefonisch unter 01805/743465 (14 Cent/Minute).
Begleitprogramm
Zahlreiche Angebote für Kinder und Erwachsene, Führungen, Workshops, Ferienkurse, Vorträge und Filme bieten Gelegenheit, die Eindrücke der Ausstellung zu vertiefen und zu ergänzen. Informationen: www.rlmb.lvr.de und www.barbarenschatz.de
Katalog
Als Ergänzung zur Ausstellung ist ein umfassender Begleitband von 247 Seiten mit 338 meist farbigen Abbildungen und 10 Karten im Konrad Theiss Verlag, Stuttgart, erschienen.
Museumsausgabe 19,90 €,
Buchhandelsausgabe 24,90 €.